Barock-Ensemble Les goûts-réunis: 07.03.2020, 18:00 Uhr | Konzertreihe „Kammermusik in der Spitalkapelle Deidesheim“

Barock-Ensemble Les goûts-réunis © blaetterwaldDesign.de
Barock-Ensemble Les goûts-réunis © blaetterwaldDesign.de

Samstag, 7. März 2020, 18:00 Uhr„England – Deutschland, ein musikalisches Länderspiel
Giles Farnaby · Matthew Locke
Georg Philipp Telemann · Johann Joachim Quantz 

Die Konzertreihe in der Spitalkapelle entführt uns an diesem Abend mit dem Barock-Ensemble Les goûts-réunis um Professor em. Manfredo Zimmermann (Buenos Aires, Ettlingen) in die Klangwelten des 18. Jahrhunderts dies- und jenseits des Ärmelkanals.

International bekannt als Travers- und Blockflötist sind barocke Aufführungspraxis und Ornamentik Schwerpunkte seines musikalischen Schaffens. An seiner Seite die Blockflötistin Felicitas von Schierstaedt (Ettlingen), passionierte Pädagogin und Spezialistin für Flöten aller Variationen von Subbass bis Garklein. Den Continuo-Part übernehmen Torben Klaes (Köln), versierter Gambist und Generalbassspieler, sowie die Cembalistin Yuko Inoue (Tokyo, Köln), die mit ihrer gerade erschienen CD The Art of Emotions viel Beachtung findet. 


Konzertbesprechung von Andrea Zimmermann, Kulturredaktion Rheinpfalz

Zum Auftakt der neuen Kammermusikreihe in der historischen Kapelle des Bürgerhospitals Deidesheim spielte das Alte-Musik-Ensemble Les goûts-réunis aus Köln und Ettlingen Barockmusik aus England und Deutschland. Der deutsch-argentinische Block- und Traversflötist Manfredo Zimmermann, Blockflötistin Felicitas von Schierstaedt, Gambist Torben Klaes und Cembalistin Yuko Inoue bezauberten in der heimeligen Atmosphäre der spätgotischen Spitalkapelle durch ihre ausgefeilten und virtuosen Beiträge.

Besondere Atmosphäre bauten die Musiker gleich eingangs mit der Lachrime Pavan von Johann Schop (1590-1667) auf. Klänge aus verschiedenen Richtungen umschmeichelten die rund 70 Besucher, denn während drei der Musiker im Altarraum einsetzten, spielte Manfredo Zimmermann von der Sakristei aus die Echoflöte. Zimmermann führte auch mit heiteren Anekdoten und Hintergrundwissen durchs Programm. The first Party of Ayres von Tobias Hume (1690-1750), einem Barockmusiker, der sowohl Soldat als auch Komponist war, gehörte alleine der Gambe, von Torben Klaes einfühlsam interpretiert. Man muss die Gambe höflich bitten und sich auf ihre jeweilige Verfassung einstellen, damit sie so schön erklingt, erläuterte Klaes. Heitere und freudige Musik präsentierte das Ensemble mit Flöten und Basso Continuo beim Trietto Methodico B-Dur von Georg Ph. Telemann (1681-1761). Szenenapplaus spendete das Publikum danach Cembalistin Yuko Inoue bei der virtuos vorgetragenen „Fantasia von Giles Farnaby (1563-1640) – seines Zeichens übrigens barocker Komponist und Tischler. 

Starke Kontraste und ein Wechselbad der Gefühle bereitete das Ensemble den Zuhörern bei der Sonate D-Dur des in Riga lebenden und deshalb in Deutschland kaum bekannten spätbarocken Meisters Gottfried Müthel (1728-1788). Bei der Suite e-Moll von Matthew Locke (1621-1677) zeigte Felicitas von Schierstaedt die schmeichelnde Klangvielfalt und Bandbreite ihrer Voice-Flute, deren Stimmung in d‘ zwischen Tenor- und Altblockflöte liegt. Nach den sechs Parts der sogenannten Masque, gemeint sind damit Füllstücke einer Oper in den Pausen zwischen den Szenen zur Unterhaltung der Besucher, verlieh das Deidesheimer Publikum seiner Begeisterung mit „Bravo-Rufen“ Ausdruck. Mit dem Trio C-Dur“ von Johann Joachim Quantz (1697-1773), dem Flötenlehrer Friedrichs des Großen, einer Originalkomposition für Traversflöte, Blockflöte und Continuo, endete das Konzert – nach Meinung der Konzertbesucher viel zu schnell. Zum entspannten Ausklang spielte das Ensemble als Zugabe ein ruhiges Grave von Georg F. Händel. 

Die Deidesheimer Cellistin Charlotte Lettenbauer, Initiatorin und musikalische Leiterin der Reihe in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Bürgerhospital, ist vom gelungenen Auftakt begeistert. Akustik und Atmosphäre der Kapelle passen hervorragend zu der Musik aus der Zeit ihrer Erbauung, alles wirkt sehr authentisch, so Lettenbauer. Zum Publikum zählten auch Musikerkollegen aus der näheren und weiteren Region, die vom Konzert wie vom Deidesheimer Konzept sehr angetan waren. Wir werden musikalische Netzwerke knüpfen, uns bei Konzerten gegenseitig unterstützen und auch terminlich absprechen, freut sich Lettenbauer als Ausblick auf ein erweitertes musikalisches Angebot nächstes Jahr durch die Zusammenarbeit mit anderen kammermusikalischen Reihen der Region. /anzi


7. März 2020 Konzertreihe Spitalkapelle
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